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Arete
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Das antike griechische Wort Arete (auch AretĂ€, altgriechisch áŒ€ÏÎ”Ï„Îź aretᾗ) bezeichnet allgemein die Vortrefflichkeit einer Person oder die hervorragende QualitĂ€t und den hohen Wert einer Sache. Bei Personen ist TĂŒchtigkeit gemeint, insbesondere im militĂ€rischen Sinn (Tapferkeit, Heldentum). Oft ist damit die Vorstellung verbunden, dass der TĂŒchtige auch erfolgreich sei. AnfĂ€nglich erscheint Arete als exklusives Ideal des Adels. SpĂ€ter wird der Begriff in breiteren Schichten aufgegriffen, vor allem in der bildungsorientierten stĂ€dtischen Oberschicht. Dies fĂŒhrt zu einem Bedeutungswandel: Soziale Kompetenzen – insbesondere staatsbĂŒrgerliche QualitĂ€ten und politische FĂŒhrungsfĂ€higkeit – treten in den Vordergrund.

In der antiken Philosophie war Arete als „Tugend“ ein zentraler Begriff der Tugendethik. Die unterschiedlichen philosophischen Schulrichtungen stimmten fast alle in der Annahme ĂŒberein, dass eine gelungene LebensfĂŒhrung und der damit verbundene GemĂŒtszustand Eudaimonie den Besitz der Arete voraussetze. Manche Philosophen meinten sogar, die Eudaimonie bestehe in der Arete.

Contents

‱ Etymologie
‱ Sophistik
‱ Sokrates
‱ Platon
‱ Antisthenes
‱ Aristoteles
‱ Epikur
‱ Stoa
‱ Literatur

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Etymologie

Die Herkunft des Wortes ist unklar. Im Mittelalter wurde es etymologisch von dem Verb areskein („gefallen“, „befriedigen“) abgeleitet,cite-ref-1[1] und auch in der Ă€lteren Forschungsliteratur war diese Etymologie verbreitet.cite-ref-2[2] Nach heutigem Forschungsstand besteht aber kein direkter Zusammenhang mit diesem Verb, sondern Arete wird mit areíƍn, dem Komparativ von agathĂłs („gut“) in Verbindung gebracht.cite-ref-3[3] In der archaischen Zeit bezog sich agathos in Aussagen ĂŒber Personen in erster Linie auf die KampftĂŒchtigkeit des Mannes, der als „gut“ galt, wenn er tapfer kĂ€mpfte. Ein solcher KĂ€mpfer gehörte einer gesellschaftlichen Elite an, er war angesehen, vornehm und in der Regel wohlhabend, daher konnte agathos auch „adlig“ bedeuten. DemgemĂ€ĂŸ hatte der Komparativ areion die Hauptbedeutung „tapferer, stĂ€rker, (im Kampf) tĂŒchtiger“.cite-ref-4[4]

Arete im allgemeinen Sprachgebrauch

Im allgemeinen Sprachgebrauch der Antike bezeichnet Arete die TĂŒchtigkeit einer Person bei der ErfĂŒllung ihrer besonderen Aufgaben oder die Tauglichkeit einer Sache (auch eines Tieres oder eines Körperteils) fĂŒr den Zweck, dem sie dienen soll. Beispielsweise kann ein Messer, ein Auge oder ein Pferdcite-ref-5[5] Arete aufweisen. Bei Personen besteht Arete in einer Gesamtheit von Merkmalen, welche die Person auszeichnen und ihr Vortrefflichkeit verleihen. Das gĂ€ngige Muster ist das von der homerischen Dichtung geprĂ€gte Heldenideal, das in einer Verbindung geistiger und charakterlicher QualitĂ€ten mit körperlichen VorzĂŒgen besteht. Der Held verkörpert dieses Ideal in seinem Leben und in seinem Tod; die Arete befĂ€higt ihn zu ĂŒberragenden Leistungen, die ihm Ruhm verschaffen. Aspekte der „TĂŒchtigkeit“ sind praktische Klugheit, Tapferkeit und auch körperliche Kraft.cite-ref-6[6] Der tĂŒchtige Held verfĂŒgt ĂŒber Tatkraft und Durchsetzungsvermögen. Sein Einsatz pflegt vom Erfolg belohnt zu werden, doch kann ihn auch Unheil treffen. Homers Götter haben ebenfalls eine Arete,cite-ref-7[7] und es gibt bei ihm auch eine Arete der Frauen, die sich von der mĂ€nnlichen Arete grundlegend unterscheidet.cite-ref-8[8]

Im Deutschen kann somit Arete, wenn es um die Bedeutung im nichtphilosophischen antiken Sprachgebrauch geht, mit „Gutsein“ (im Sinne eines hohen Maßes an Tauglichkeit) wiedergegeben werden. Die gĂ€ngige Übersetzung mit „Tugend“ ist missverstĂ€ndlich und daher sehr problematisch, denn der Grundbedeutung nach ist keine Tugendhaftigkeit in einem moralischen Sinn gemeint (obwohl dies im Einzelfall auch impliziert sein kann). Erst in der Philosophie wird Arete konsequent moralisch aufgefasst.cite-ref-9[9]

Bei Homer kommt nur Vornehmen Arete zu, dem einfachen Volk ist sie fremd. FĂŒr Hesiod hingegen gibt es auch eine Arete der fleißigen Bauern. Damit meint er nicht nur deren TĂŒchtigkeit, sondern insbesondere das Gedeihen, den Erfolg ihrer Arbeit, der sich in Reichtum und Ansehen zeigt. Arete ist fĂŒr Hesiod nicht vom Erfolg trennbar.cite-ref-10[10]

Die kriegerische Arete preist der spartanische Dichter Tyrtaios, dem es besonders auf die Todesbereitschaft ankommt.cite-ref-11[11] Ähnliches Gedankengut findet sich in Versen, die unter dem Namen des Theognis ĂŒberliefert sind (Corpus Theognideum). Dort wird wie auch bei Tyrtaios die Leistung hervorgehoben, die der TĂŒchtige fĂŒr den Staat erbringt. Nicht mehr die ĂŒberragende individuelle Leistung, wie im homerischen Einzelkampf, sondern das Aushalten in der Schlachtreihe macht im BĂŒrgerheer die Arete des tapferen Kriegers aus.cite-ref-12[12] Im Corpus Theognideum wird ein Arete-Ideal propagiert, das besonders die Gerechtigkeit als adelsspezifische Tugend in den Vordergrund stellt. Den Nichtadligen (Demokraten), die den Einfluss des Adels im Staat zurĂŒckgedrĂ€ngt haben, wird ein Mangel an Arete unterstellt. Der Dichter beklagt das mangelnde VerstĂ€ndnis seiner Zeitgenossen fĂŒr die traditionelle Arete. Er unterstellt ihnen, sie seien nur am Reichtum interessiert. Diesen hĂ€lt er zwar auch fĂŒr einen Aspekt der Arete, doch dĂŒrfe die TĂŒchtigkeit nicht auf das Vorhandensein von Besitz reduziert werden. Wichtig seien auch Gerechtigkeit, Tapferkeit, Götterverehrung, Besonnenheit und praktische Lebensklugheit.cite-ref-13[13]

Bei Pindar zeigt sich die Arete im sportlichen Wettkampf; einerseits ist sie Veranlagungssache, andererseits werden solche „TĂŒchtigkeiten“ auch erlernt. Auch die Leistung nennt Pindar Arete.cite-ref-14[14] FĂŒr den Lyriker Simonides von Keos sind Arete und Erfolg untrennbar; wer – auch ohne eigenes Verschulden – erfolglos bleibt, hat keine Arete, sondern ist „schlecht“.cite-ref-15[15]

In der archaischen und der klassischen Zeit wurde Herrschaft dadurch legitimiert, dass der Herrscher zeigen konnte, dass er ĂŒber ein besonders hohes Maß an Arete verfĂŒgte. Da man solche TĂŒchtigkeit und Tugendhaftigkeit fĂŒr erblich hielt, pflegten Machthaber ihre Abstammung mittels einer fiktiven Genealogie auf einen mythischen Heros zurĂŒckzufĂŒhren. Dies reichte aber nicht aus, vielmehr musste der Herrscher durch sein Handeln seine Arete beweisen und damit zeigen, dass seine Behauptung, einen Heros zum Ahnen zu haben, glaubwĂŒrdig war. Man nahm an, dass einem so Qualifizierten die Herrschaft von Natur aus zustand. Wer seine Herrschernatur durch Taten bewies, etwa durch militĂ€rische Leistungen, durch Siege in panhellenischen WettkĂ€mpfen oder durch die Großtat einer StadtgrĂŒndung, dem ordnete man sich willig unter.cite-ref-16[16]

In der Zeit des Hellenismus wurde die Arete, wie Ehrendekrete zeigen, insbesondere mit bĂŒrgerlichen Tugenden assoziiert. Sie manifestierte sich konkret in Leistungen fĂŒr das Gemeinwohl aus philanthropischer GroßzĂŒgigkeit, etwa der privaten Finanzierung öffentlicher BautĂ€tigkeit, oder in kĂŒnstlerischen BeitrĂ€gen zu Festen. Auch besondere politische und diplomatische Verdienste wurden als Zeichen von Arete staatlich gewĂŒrdigt. Die Ehreninschriften stellten der BĂŒrgerschaft die TĂŒchtigkeit und großherzige Gesinnung von WohltĂ€tern als Vorbild vor Augen. FĂŒr die staatliche Gemeinschaft hatte das öffentliche RĂŒhmen vorbildlicher Arete auch eine identitĂ€tsstiftende Wirkung.cite-ref-17[17]

Literarisch und poetisch personifiziert wurde Arete in der Antike nur gelegentlich; im Gegensatz zur römischen Virtus gab es keine kultische Verehrung als Gottheit. In der bildenden Kunst finden sich Darstellungen der personifizierten Arete.cite-ref-18[18]

Sophistik

In der zweiten HĂ€lfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. machte sich in griechischen StĂ€dten, vor allem in Athen, in der Oberschicht ein breites und intensives Bildungsstreben geltend. Zur Befriedigung der BildungsbedĂŒrfnisse waren Wanderlehrer tĂ€tig, die gegen Entgelt Unterricht erteilten. Das Bildungs- und Erziehungsangebot der Wanderlehrer, fĂŒr die sich die Bezeichnung „Sophisten“ einbĂŒrgerte, orientierte sich an praktischen Zielen. Es sollten Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden, die eine aktive, erfolgreiche Teilnahme am staatlichen Leben und am Rechtswesen ermöglichten. Angestrebt wurde eine Arete, die nun nicht mehr im Sinne herkömmlicher aristokratischer Ideale aufgefasst wurde, sondern jedem hinreichend LernfĂ€higen in Aussicht gestellt wurde. Die Arete, welche die Sophisten und ihre zahlreichen SchĂŒler meinten, war verbal vermittelbar. Es ging um Wissen, um eine Qualifikation, die dem sophistisch Ausgebildeten den Erfolg sichern und einen entsprechenden sozialen Rang verschaffen sollte. Der Erfolg, der schon zum traditionellen aristokratischen TĂŒchtigkeitsideal gehört hatte, war der zentrale Aspekt der Arete, auf die der sophistische Unterricht abzielte. Die SchĂŒler wollten sich insbesondere politische DurchsetzungsfĂ€higkeit aneignen.cite-ref-19[19]

Die Behauptung der Sophisten, Arete sei lehrbar, wurde nicht allgemein akzeptiert, sondern stieß auch auf Widerspruch. Die Gegenposition lautete, Arete sei Veranlagungssache oder werde nur durch eigene BemĂŒhungen ohne fremdes Zutun erlangt. Die Vertreter dieser Ansicht argumentierten, es gebe keine qualifizierten Lehrer der Arete; im Unterschied etwa zur Medizin könne man nicht zwischen Fachleuten und Laien unterscheiden. BerĂŒhmten, vorbildlichen MĂ€nnern wie Perikles und Themistokles sei es nicht gelungen, ihre eigene Arete ihren Söhnen zu vermitteln, vielmehr hĂ€tten sich die Söhne als untĂŒchtig erwiesen. Viele SchĂŒler der Sophisten hĂ€tten sich die Arete im Unterricht nicht aneignen können, sondern seien erfolglos geblieben, und mancher habe sich durch Arete ausgezeichnet, ohne eine entsprechende Ausbildung erhalten zu haben.cite-ref-20[20]

Arete in der Philosophie

Alle antiken Schulrichtungen, die sich mit Ethik befassten, mit Ausnahme der Kyrenaiker betrachteten Arete als Mittel zur Erlangung des von ihnen angestrebten Zustands der Eudaimonie oder sogar als ein wesentliches Element dieses Zustands. Es wurde sogar die Auffassung vertreten, Arete sei das, was die ganze Eudaimonie ausmacht. Unter Eudaimonie verstand man eine gute, gelungene LebensfĂŒhrung und den damit verbundenen GemĂŒtszustand. Der Begriff wird gewöhnlich ungenau mit „GlĂŒck“ oder „GlĂŒckseligkeit“ ĂŒbersetzt; es handelt sich aber nicht um ein GefĂŒhl.cite-ref-21[21]

Sokrates

FĂŒr Sokrates, dessen Denken um die richtige LebensfĂŒhrung kreiste, war die Arete ein zentraler philosophischer Begriff, dessen Inhalt von sittlicher QualitĂ€t war. Diese Arete kann daher mit „Tugend“ wiedergegeben werden. Ein tugendgemĂ€ĂŸes Leben zu fĂŒhren, hielt Sokrates fĂŒr das höchste Ziel eines jeden Menschen. Wie er sich mit dieser Thematik im Einzelnen auseinandergesetzt hat, lĂ€sst sich aber nicht mit Sicherheit feststellen. Bekannt ist nur, was der literarisch geschilderte „platonische“ (in Platons Dialogen auftretende) Sokrates dazu Ă€ußert. Die Frage nach dem VerhĂ€ltnis zwischen dem platonischen Sokrates und Sokrates als historischer Persönlichkeit ist ungeklĂ€rt, eine ĂŒberzeugende Rekonstruktion der Philosophie des historischen Sokrates gilt heute als unmöglich.cite-ref-22[22]

Nach der Auffassung des platonischen Sokrates, die Platon selbst teilt, soll der Mensch sich in erster Linie nicht um das kĂŒmmern, was „zu ihm gehört“, sondern um „sich selbst“. Mit dem, was zu einem gehört, ist der eigene Körper gemeint, der als etwas Äußerliches aufgefasst wird, das nicht Bestandteil des eigentlichen „Selbst“ ist. Noch weiter vom Selbst entfernt sind Ă€ußere GĂŒter wie Besitz, Ansehen und Ehre. Das Selbst, dem die FĂŒrsorge gelten soll, das „so gut und vernĂŒnftig wie möglich“ gemacht werden soll,cite-ref-23[23] ist die Seele. Sie ist der TrĂ€ger der ethischen Verantwortung, allein in ihrem „Gutsein“ besteht die Arete. Wer das sittlich Gute tut, der lebt richtig und gelangt zur Eudaimonie. Die einzige Voraussetzung dafĂŒr ist, dass man erkennt, was das sittlich Gute ist. Diese Voraussetzung ist nicht nur notwendig, sondern auch hinreichend, denn wer weiß, was das Gute ist, der wird es zwangslĂ€ufig auch immer tun. Somit beruht die Tugend ausschließlich auf dem Wissen, denn aus dem Wissen ĂŒber das Gute ergibt sich mit zwingender Notwendigkeit ein Leben gemĂ€ĂŸ der Arete. Mit Wissen ist hier gemeint, dass der Wissende nicht nur begriffen hat, was ein tugendhaftes Leben ist, sondern auch versteht, dass ein solches Leben die Grundlage der Eudaimonie ist und somit in seinem ureigensten Interesse liegt. Wenn man diese Einsicht nicht nur gedanklich nachvollzogen, sondern ganz verinnerlicht hat, dann kann man nicht mehr gegen sein eigenes Interesse handeln. Ein tugendwidriges Verhalten ist nicht mehr möglich.cite-ref-24[24] Äußere UmstĂ€nde – etwa der drohende Verlust Ă€ußerer GĂŒter wie Besitz und Ansehen und sogar Lebensgefahr – können den gemĂ€ĂŸ der Arete Lebenden nicht von seinen Entscheidungen abbringen. Da der Besitz Ă€ußerer GĂŒter fĂŒr seine Eudaimonie nicht erforderlich ist, sondern diese ausschließlich auf der Arete beruht, kann er auf die Ă€ußeren GĂŒter leicht verzichten, auf die Arete hingegen keinesfalls.cite-ref-25[25]

Der platonische Sokrates ist davon ĂŒberzeugt, dass Tugendwissen erlangt und auch anderen vermittelt werden kann. FĂŒr ihn ist Arete grundsĂ€tzlich lehrbar und auch durch eigenes Nachdenken erkennbar, wenn man ĂŒber eine entsprechende Veranlagung verfĂŒgt. Hinsichtlich der praktischen Umsetzung des theoretischen Grundsatzes der Lehrbarkeit Ă€ußert er sich allerdings skeptisch, da das Wesen der Arete nicht hinreichend geklĂ€rt sei.cite-ref-26[26] In seiner Auseinandersetzung mit dem Sophisten Protagoras bestreitet er die Lehrbarkeit sogar,cite-ref-27[27] doch argumentiert er dort nicht prinzipiell, sondern nur empirisch gegen sie.cite-ref-28[28] Dabei geht es ihm um die ÜberprĂŒfung des Anspruchs von Sophisten wie Protagoras, Lehrer der Arete zu sein. Dem Grundsatz der Lehrbarkeit widerspricht anscheinend auch die Überzeugung des historischen Sokrates, dass er selbst – ebenso wie alle anderen – ein Nichtwissender sei (verfĂ€lschende Kurzformel: Ich weiß, dass ich nichts weiß). TatsĂ€chlich hat der historische Sokrates offenbar betont, dass er ĂŒber kein unumstĂ¶ĂŸliches „Wissen“ im Sinne einer auf zwingender BeweisfĂŒhrung basierenden Wahrheitskenntnis verfĂŒge. In diesem Sinne lĂ€sst Platon Sokrates feststellen, er wisse nicht, was Arete ist, und er kenne auch niemanden, der es wisse.cite-ref-29[29] Dennoch konnte Sokrates das Tugendwissen als eine Art von Wissen betrachten, wenn er dabei von einem anderen WissensverstĂ€ndnis ausging (Wissen in einem schwĂ€cheren Sinn). Nach dieser Bedeutung handelt es sich um eine Gewissheit, die sich ergibt, wenn alle Falsifikationsversuche gescheitert sind. Die Auffassung des platonischen Sokrates von der Lehrbarkeit des Tugendwissens ist demnach mit der erkenntnistheoretischen Skepsis des historischen Sokrates vereinbar und kann von ihm vertreten worden sein.cite-ref-30[30]

Die Ansicht des platonischen Sokrates, es gebe keine spezifisch mĂ€nnliche oder weibliche Tugend, sondern die Tugend sei fĂŒr alle Menschen dieselbe und hinsichtlich ihrer Erreichbarkeit bestehe kein Unterschied zwischen den Geschlechtern, geht wahrscheinlich auf den historischen Sokrates zurĂŒck.cite-ref-31[31]

Platon

Platon lĂ€sst in seinen Dialogen Sokrates auch Positionen vertreten, die spezifisch platonisches Gedankengut voraussetzen und daher nicht mit dem historischen Sokrates in Zusammenhang zu bringen sind. Hierzu gehören Aussagen ĂŒber die Arete oder ĂŒber einzelne Tugenden im Rahmen der platonischen Seelenlehre und Ideenlehre.

Außerphilosophische und philosophische Arete

Platon arbeitet eine eigene Tugendlehre aus, wobei er traditionelle und gĂ€ngige Bedeutungsaspekte des Begriffs Arete einbezieht und sich mit herkömmlichen Ansichten auseinandersetzt. Er unterscheidet eine wahre, auf vernĂŒnftiger Einsicht beruhende Arete, die der Philosoph verwirklicht, von verbreiteten Tugendvorstellungen unterschiedlicher Art, die aus seiner Sicht nur teilweise richtig oder sogar gĂ€nzlich irrig sind. Ein nicht philosophisch fundiertes richtiges Verhalten, das als tugendhaft gilt, kann auf Gewohnheit und Erziehung oder auf einer Naturanlage basieren oder aus der Kalkulation der Konsequenzen von Handlungen resultieren. Platon verwirft eine so motivierte Praxis nicht, sondern untersucht sie kritisch und billigt ihr teilweise eine Berechtigung zu. So anerkennt er den Wert des richtigen staatsbĂŒrgerlichen Verhaltens von Nichtphilosophen, das fĂŒr den Fortbestand des Staates unerlĂ€sslich ist. Zwar praktizieren philosophisch Ungebildete das, was sie fĂŒr Tugend halten, nicht um seiner selbst willen, sondern weil sie nach Ruhm streben und sich ohne kritische Reflexion an einer gesellschaftlich akzeptierten Wertordnung orientieren, doch kann ihre TĂ€tigkeit dennoch nĂŒtzlich sein. Da solche Tugendvorstellungen nicht auf Wissen beruhen, handelt es sich nicht um echte Tugend. Es sind nur Meinungen, die richtig sein können, ohne dass ihre Vertreter verstehen, warum sie richtig sind.cite-ref-32[32]

Im Sinne des allgemeinsprachlichen Arete-Begriffs („Gutsein“, „Tauglichkeit“), der sich auch auf Tiere und GegenstĂ€nde bezieht, betrachtet Platon Arete generell als Verwirklichung des Wesens der guten, tauglichen Sache bzw. der tugendhaften Person. Der TrĂ€ger der Arete verwirklicht sein Wesen, wenn er so ist, wie er seiner eigenen Natur und Bestimmung nach sein soll. In diesem Zustand kann die betreffende Person oder Sache ihre spezifische Aufgabe optimal erfĂŒllen und die Rolle spielen, die ihr von Natur aus zukommt.cite-ref-33[33]

Die Frage der Lehrentwicklung

Unklar ist, inwieweit sich Platon im Verlauf seiner philosophischen Entwicklung von den ursprĂŒnglich einfachen und radikalen Thesen des sokratischen Ansatzes entfernt und differenziertere Positionen bezogen hat. Hierzu gehört die Frage, ob er an der absoluten Bedeutungslosigkeit Ă€ußerer GĂŒter und UmstĂ€nde wie Gesundheit und Erfolg fĂŒr die Eudaimonie festgehalten oder ihnen eine wenn auch geringe Rolle zugebilligt hat. Im Dialog Politeia lĂ€sst er Sokrates darauf hinweisen, dass Ă€ußere GĂŒter unter UmstĂ€nden bei der Vervollkommnung der Seele hilfreich sein können.cite-ref-34[34] Auch die radikale Behauptung in frĂŒhen Dialogen, aus dem Tugendwissen ergebe sich die Tugendpraxis zwangslĂ€ufig und Unwissenheit sei der einzige Grund fĂŒr Unrechttun, scheint Platon im Zuge der Ausarbeitung seiner Seelenlehre durch EinschrĂ€nkungen relativiert zu haben. Bei der Darlegung der Seelenlehre setzt er sich eingehend mit der Existenz und dem Einfluss des Irrationalen in der Seele auseinander und zieht die innerseelischen Konflikte zwischen der Vernunft und irrationalen Faktoren in Betracht. Dabei rĂ€umt er die Möglichkeit ein, dass trotz vorhandenen Wissens eine vernunftwidrige Seeleninstanz zeitweilig vorherrschen kann und auch körperliche Affekte die Urteilskraft beeintrĂ€chtigen können. Doch sind solche divergierenden Aussagen nicht notwendigerweise als WidersprĂŒche oder Belege fĂŒr eine MeinungsĂ€nderung zu deuten. Vielmehr ist zu berĂŒcksichtigen, dass in den verschiedenen Dialogen je nach der GesprĂ€chssituation und GesprĂ€chsstrategie unterschiedliche Gesichtspunkte betont oder einseitig herausgestellt werden.cite-ref-35[35]

Die Grundtugenden und ihre Einheit

Platon nimmt vier Grundtugenden an, die seit dem Mittelalter unter der Bezeichnung Kardinaltugenden bekannt sind: Besonnenheit (sƍphrosĂœnē), Tapferkeit (andreĂ­a), Gerechtigkeit (dikaiosĂœnē) und Weisheit (sophĂ­a oder phrĂłnēsis). Außerhalb dieses Viererschemas steht die Frömmigkeit (hosiĂłtēs), die ebenfalls eine wichtige Tugend ist. Die Gerechtigkeit sorgt fĂŒr das harmonische VerhĂ€ltnis der anderen drei Grundtugenden. In der Seele hat jede Tugend ihren ZustĂ€ndigkeitsbereich, in dem sie herrschen soll. Die Gerechtigkeit ist die Tugend der Gesamtseele, sie strukturiert das ganze System und hĂ€lt die innerseelische Ordnung aufrecht.cite-ref-36[36] Die anderen Grundtugenden sind den drei Seelenteilen zugeordnet: die Weisheit dem obersten Teil, dem logistikĂłn (Vernunft), die Tapferkeit dem thymoeidĂ©s, dem „Muthaften“ (Affektvermögen), die Besonnenheit dem epithymētikĂłn, dem Triebhaften, das den niedrigsten Teil der Seele bildet. Der triebhafte Seelenteil, der auf die Befriedigung körperbezogener Lust hingeordnet ist, gleicht einem wilden Tier. Er soll sich unterordnen, wofĂŒr die Vernunft mit UnterstĂŒtzung des Mutes zu sorgen hat, und bedarf einer strikten Lenkung.cite-ref-37[37]

Neben den durch philosophische Erkenntnis erworbenen Tugenden gibt es auch eine persönliche Veranlagung zur einen oder anderen Tugend. Sie muss durch Erziehung reguliert werden, damit keine Einseitigkeit auftritt und die innerseelische Ordnung stört.cite-ref-38[38]

Eine wichtige Rolle spielt die Frage nach der Einheit der Tugenden. Sie wird in den Dialogen erörtert, aber nicht geklĂ€rt. Ein auf Einheit deutender Umstand ist, dass alle Tugenden auf das Gute zielen und Kenntnis des Unterschieds zwischen Gutem und Schlechtem erfordern. Von welcher Art die Einheit nach Platons VerstĂ€ndnis ist, ist allerdings unklar. In der Forschung ist diskutiert worden, ob die Einheit nur als schwache IdentitĂ€t aufzufassen ist oder von einer starken IdentitĂ€t gesprochen werden kann. Eine schwache IdentitĂ€t ergibt sich aus der Annahme, dass die Tugenden so eng miteinander zusammenhĂ€ngen, dass man, wenn man eine von ihnen besitzt, auch ĂŒber die anderen verfĂŒgt. DarĂŒber hinaus besteht eine starke IdentitĂ€t, wenn es sich nur um vier Benennungen ein und derselben Tugend handelt, wobei sich die Benennungen auf verschiedene Aspekte des Praktizierens dieser Tugend beziehen. Ob Platon letzteres fĂŒr zutreffend hielt, bleibt offen. Eine zumindest schwache IdentitĂ€t vertritt er nur hinsichtlich der echten Tugenden, das heißt der Tugenden des Philosophen, denn bei nichtphilosophischen Menschen kann beispielsweise Tapferkeit ohne Weisheit vorkommen. Solche Tapferkeit ist fĂŒr Platon keine Tugend im eigentlichen Sinn.cite-ref-39[39]

Ideenlehre und Tugendlehre

Von Platons Ideenlehre her eröffnet sich grundsĂ€tzlich die Möglichkeit eines unmittelbaren, nichtdiskursiven Zugangs zur Arete.cite-ref-40[40] Die Ideen, die unwandelbaren Urbilder der Einzeldinge, sind nach der Ideenlehre objektive RealitĂ€ten, die von entsprechend geschulten Menschen durch Wahrnehmung erkannt werden können. Dieser rein geistige Vorgang wird in Analogie zur Sinneswahrnehmung metaphorisch als Schau beschrieben. Im Dialog Symposion wird – allerdings ohne ausdrĂŒckliche Bezugnahme auf die Ideenlehre – ein Stufenmodell des Aufstiegs zur Wahrnehmung rein geistiger, den Sinnen verschlossener Bereiche dargelegt. Dieser Aufstieg gipfelt in der Anschauung des Urschönen, der Schönheit im allgemeinsten und umfassendsten Sinne, die allen Erscheinungsformen des Schönen letztlich als deren Quelle zugrunde liegt. Wer das Urschöne anschaut, der berĂŒhrt die Wahrheit schlechthin. Daher kann er dann die wahre Arete „gebĂ€ren“ (aus seinem eigenen Geist hervorbringen) und „nĂ€hren“. Er ist nicht mehr auf die bloßen Schattenbilder der Arete angewiesen, mit denen er es im Bereich des sinnlich Wahrnehmbaren zu tun hat, sondern erlangt die Arete selbst. Damit qualifiziert er sich dafĂŒr, ein „Gottgeliebter“ zu werden.cite-ref-41[41]

Einerseits ist der Zugang zur wahren Arete eine Frucht des Aufstiegs, andererseits ist Tugendhaftigkeit – speziell die Gerechtigkeit – die Voraussetzung dafĂŒr, dass man aufsteigend ĂŒber den Bereich der mangelhaften und vergĂ€nglichen Einzeldinge hinausgelangt. Tugend fĂŒhrt den Menschen in einen göttlichen Bereich, denn sie ist Nachahmung Gottes im Sinne der Forderung Platons, der Mensch solle sich Gott angleichen, soweit dies möglich ist (homoíƍsis theáč“ kata to dynatĂłn).cite-ref-42[42]

Eine weitere VerknĂŒpfung von Ideenlehre und Tugendwissen ergibt sich daraus, dass im Rahmen der Ideenlehre das Tugendwissen als Wissen von den Ideen der Tugenden und vor allem von der Idee des Guten bestimmt wird.cite-ref-43[43]

Antisthenes

Der Philosoph Antisthenes, dessen ethische Lehre den Ausgangspunkt fĂŒr die Entstehung des Kynismus bildete, knĂŒpfte an das TugendverstĂ€ndnis seines Lehrers Sokrates an und fĂŒgte eigenes Gedankengut hinzu. Er meinte, die Arete sei lehrbar, doch bestehe sie im Handeln und bedĂŒrfe daher nicht vieler Worte; es komme nicht auf theoretische Kenntnisse an. Die Arete sei kein Privileg des Adels, sondern die wahren Adligen seien die Tugendhaften. Es gebe keine spezifisch mĂ€nnliche oder weibliche Tugend, sondern die Tugend sei fĂŒr alle dieselbe. Als Norm stehe die Tugend ĂŒber den bestehenden Gesetzen. Zwar sei die Arete fĂŒr die Eudaimonie ausreichend, doch benötige man zusĂ€tzlich die Kraft eines Sokrates.cite-ref-44[44] Damit meinte er, es genĂŒge nicht zu wissen, dass die Eudaimonie in der Tugend liege. Vielmehr könne man diese Erkenntnis nur dann konsequent in die Tat umsetzen, wenn man ĂŒber den Gleichmut und die innere UnabhĂ€ngigkeit des Sokrates verfĂŒge. Sokrates war berĂŒhmt fĂŒr seine Anspruchslosigkeit, seine FĂ€higkeit Strapazen zu ertragen und seine UnabhĂ€ngigkeit von Meinungen und Urteilen anderer. Wer Arete und Eudaimonie anstrebt, muss sich nach der Überzeugung des Antisthenes die „sokratische Kraft“ aneignen, indem er sich plagt, sich MĂŒhen aussetzt, ĂŒberflĂŒssige BedĂŒrfnisse ausrottet und die naturgegebenen ElementarbedĂŒrfnisse auf die einfachste Weise befriedigt. ÜberflĂŒssig ist insbesondere das BedĂŒrfnis nach Anerkennung und Ansehen; ein ruhmloses Leben ist vorzuziehen. Die traditionelle Verbindung von Arete mit Ruhm und hohem sozialem Status ist somit bei Antisthenes aufgegeben und sogar ins Gegenteil verkehrt. Dieses Tugendkonzept wurde fĂŒr den Kynismus wegweisend.cite-ref-45[45]

Aristoteles

Aristoteles sieht wie Platon das Kriterium fĂŒr das „Gutsein“ einer Person oder Sache in der QualitĂ€t ihrer spezifischen Hervorbringung, ihres Produkts oder ihrer Leistung. Ein Messer ist gut, wenn es gut schneidet, ein Auge, wenn es gut sieht. In diesem Sinne kommt einem Menschen Arete zu, wenn er das hervorbringt (in die Tat umsetzt), was seiner naturgegebenen Bestimmung als Mensch entspricht. Diese Bestimmung ist fĂŒr Aristoteles die Verwirklichung der menschlichen Vernunftbegabung durch ein vernunftgemĂ€ĂŸes Leben. Darin besteht fĂŒr ihn die Arete; nur der vernĂŒnftig Lebende ist ein guter Mensch.cite-ref-46[46]

Ein gutes, vernunftgemĂ€ĂŸes Leben setzt voraus, dass zwischen dem vernĂŒnftigen und dem nichtvernĂŒnftigen Teil der Seele ein Einklang erzielt wird. Der nichtvernĂŒnftige Teil, von dem die Strebungen und Affekte ausgehen, widerstrebt zwar den Forderungen der Vernunft, kann aber dazu gebracht werden, sich ihr unterzuordnen. GemĂ€ĂŸ den unterschiedlichen Funktionen der Seelenteile unterscheidet Aristoteles zwischen zwei Klassen von Tugenden. Die „dianoetischen“ Tugenden (Verstandestugenden) Weisheit und Klugheit zeichnen den vernĂŒnftigen Seelenteil aus. Die Weisheit verschafft dem Menschen theoretisches Wissen (etwa ĂŒber Metaphysik oder Mathematik), die Klugheit befĂ€higt ihn herauszufinden, welche Handlungen fĂŒr ihn unter dem Gesichtspunkt des „guten Lebens“ (Eudaimonie) gut und zutrĂ€glich sind. Die „ethischen“ Tugenden (Charaktertugenden) sorgen dafĂŒr, dass die Strebungen und Affekte mit dem, was die Vernunft verlangt, ĂŒbereinstimmen. Ihr Vorhandensein oder Fehlen macht den Charakter eines Menschen aus. Zu den Charaktertugenden zĂ€hlt Aristoteles die Tapferkeit, die Besonnenheit, die Freigebigkeit, die Gerechtigkeit, die GroßzĂŒgigkeit, die Hochgesinntheit und die Wahrhaftigkeit. Er bezeichnet sie als durch Gewöhnung erworbene Haltungen und bestreitet, dass sie sich aus einer Anlage ergeben.cite-ref-47[47]

Im Zusammenwirken mit der Klugheit befĂ€higen die Charaktertugenden den Menschen, die richtige Mitte zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig zu finden. Beispielsweise liegt die Tapferkeit in der Mitte zwischen Furcht und TollkĂŒhnheit. Wer in der Lage ist, bei seinen Handlungsentscheidungen die richtige Mitte zu treffen, weist auf dem Gebiet der Ethik Arete auf. GrundsĂ€tzlich ist Aristoteles der Überzeugung, dass das Mittlere zwischen zwei Extremen das Richtige und VernunftgemĂ€ĂŸe ist (Mesotes-Lehre).cite-ref-48[48]

Aristoteles lehrt, die Eudaimonie liege nicht im bloßen Gutsein, im Besitz der Arete, sondern in einem dauerhaft von der Arete bestimmten TĂ€tigsein. Damit meint er in erster Linie eine wissenschaftliche BetĂ€tigung, mit der theoretisches Wissen erlangt und dann bestĂ€ndig im Geist festgehalten wird. Die Betrachtung der erkannten Wahrheit ĂŒber ein philosophisches Erkenntnisobjekt bedeutet fĂŒr Aristoteles vollendete Eudaimonie. Im Gegensatz zu praktischem Handeln werde die geistige TĂ€tigkeit nur um ihrer selbst willen geliebt. Sie zur Lebensaufgabe zu machen hĂ€lt er fĂŒr die vollkommenste Verwirklichung der Bestimmung des Menschen.cite-ref-49[49] Wer zu dieser idealen LebensfĂŒhrung nicht in der Lage sei, der sei auf die praxisbezogenen Tugenden angewiesen, die ihm eine Eudaimonie geringeren Ranges ermöglichten. Diese Tugenden seien zweitrangig, da sie rein menschlich seien. Es sei lĂ€cherlich sich vorzustellen, dass Götter gerecht, tapfer, großzĂŒgig oder besonnen handelten. Den Göttern komme kein Handeln zu, sondern nur ein Betrachten. Daher sei die philosophische Betrachtung dasjenige menschliche Tun, das dem Wirken der Gottheit am nĂ€chsten komme. Folglich bewirke sie auch die höchste fĂŒr Menschen erreichbare Eudaimonie.cite-ref-50[50]

Das TĂ€tigsein gemĂ€ĂŸ der Arete reicht aber nach Aristoteles’ Meinung zur Verwirklichung der Eudaimonie nicht aus. Wer nicht ĂŒber bestimmte Ă€ußere GĂŒter verfĂŒgt, kann manche Tugenden nicht praktizieren, verfehlt also diesbezĂŒglich die Arete. Beispielsweise setzt Freigebigkeit den Besitz von Geldmitteln voraus. Somit hĂ€ngen Arete und Eudaimonie nicht ausschließlich von innerseelischen Faktoren ab, sondern auch von Ă€ußeren UmstĂ€nden, auf die man keinen oder nur begrenzten Einfluss hat. Die Lehre von der Erforderlichkeit Ă€ußerer GĂŒter ist ein markantes Merkmal der Ethik des Aristoteles und seiner Schule, des Peripatos.cite-ref-51[51]

Im Gegensatz zu Sokrates und Platon nimmt Aristoteles hinsichtlich der Tugenden einen Unterschied zwischen den Geschlechtern an; er geht davon aus, dass die Grundtugenden von MĂ€nnern und Frauen verschieden seien.cite-ref-52[52]

Aristoteles verfasste nach der Gefangennahme, Folterung und Hinrichtung seines Freundes Hermias von Atarneus zum Andenken an den Verstorbenen einen Hymnus auf Areta, die personifizierte Tugend. Er redet sie als Jungfrau an und nennt sie „mĂŒhsam erringbar fĂŒr das Menschengeschlecht, schönste Jagdbeute fĂŒr das Leben“. Um ihretwillen sterbe man in Griechenland gern, auch Hermias sei fĂŒr sie in den Tod gegangen. Der Überlieferung zufolge war Hermias unter der Folter standhaft geblieben und hatte keine Geheimnisse verraten. Damit erwies er sich aus der Sicht seiner Freunde und Bewunderer als vorbildlich tugendhafter Philosoph.cite-ref-53[53]

Epikur

Epikur unternimmt eine Umwertung traditioneller philosophischer Werte. Er betrachtet die Lust, die er grundsĂ€tzlich positiv bewertet, als das wahre, naturgemĂ€ĂŸe Ziel allen Handelns. Die oberste Lust besteht fĂŒr ihn in der völligen Freiheit von Schmerz oder Unlust; vgl. Hedonismus. Daher ist fĂŒr ihn der Lustgewinn – das heißt die Unlustvermeidung – auch das Maß, an dem die Tugenden zu messen sind. Die Tugenden sind nicht der Zweck, auf den die BemĂŒhungen des Philosophen abzielen, sondern nur Mittel zur Erlangung der Lust. Damit werden sie in ihrer Bedeutung drastisch herabgestuft. Als Mittel sind sie fĂŒr ein möglichst unlustfreies Leben notwendig, ihre Berechtigung wird nicht bestritten, doch wird ihnen ein Wert nur insoweit zugebilligt, als sie dem Ziel der Luststeigerung dienen.cite-ref-54[54] Beispielsweise ĂŒberwindet man mit der Tapferkeit die Furcht, die eine der Hauptquellen von Unlust ist. Die Haupttugend ist fĂŒr Epikur, der das platonische Viererschema ĂŒbernimmt, die Klugheit; aus ihr entspringen zwangslĂ€ufig Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit.cite-ref-55[55]

Stoa

Zenon von Kition, der BegrĂŒnder der Stoa, knĂŒpfte an die sokratische Tradition an. Er bekannte sich zu den auf Sokrates zurĂŒckgefĂŒhrten GrundsĂ€tzen, dass Arete Wissen und als solches lehrbar sei, dass sie allein die Eudaimonie ausmache und dass aus dem Tugendwissen zwangslĂ€ufig die Tugendpraxis resultiere. Zenon hielt nur die Grundtugenden Einsicht (Klugheit), Gerechtigkeit, Besonnenheit und Tapferkeit fĂŒr wahre GĂŒter und die ihnen entgegengesetzten Laster fĂŒr wahre Übel; alles Übrige betrachtete er als ethisch belanglos. Er meinte, die Tugenden seien nicht voneinander zu trennen, sie bildeten eine Einheit, denn die Gerechtigkeit, die Besonnenheit und die Tapferkeit seien Einsichten bezĂŒglich bestimmter Praxisbereiche und damit Äußerungsformen der Einsicht. Der Weise sei im dauerhaften Besitz der Tugend und damit der Eudaimonie. Dieser Besitz könne ihm niemals geraubt werden. Der bedeutende Stoiker Chrysippos von Soloi schloss sich in der Tugendlehre den Auffassungen Zenons an, aber die Unverlierbarkeit der Tugend vertrat er nur mit EinschrĂ€nkungen.cite-ref-56[56]

Mittel- und Neuplatonismus

In der Epoche des Hellenismus und in der römischen Kaiserzeit war die Frage, ob die Eudaimonie sich allein aus der Arete ergibt oder auch Ă€ußere GĂŒter erfordert, das Hauptthema der kontroversen Diskussionen ĂŒber die Tugendlehre. Mittelplatonikercite-ref-57[57] und Stoiker bekannten sich zu dem traditionellen Grundsatz ihrer Schulrichtungen, es bedĂŒrfe nur der Tugend, wĂ€hrend Peripatetiker an der Lehre des Aristoteles festhielten, auch Ă€ußere GĂŒter seien relevant. Der einflussreiche Mittelplatoniker Attikos verteidigte die platonische Lehre mit SchĂ€rfe; er polemisierte gegen die peripatetische Auffassung, die Eudaimonie hĂ€nge auch von vornehmer Herkunft, körperlicher Schönheit und Wohlstand ab. Darin sah er ein niedriges und verfehltes Denken. Der Peripatetiker Kritolaos trat fĂŒr eine Kompromisslösung ein, wonach Ă€ußere GĂŒter nicht ganz belanglos, aber von sehr geringer Bedeutung sind.cite-ref-58[58]

Plotin, der BegrĂŒnder des Neuplatonismus, nahm – an Gedanken Platons anknĂŒpfend – eine Unterteilung in höhere und niedere Tugenden vor. Die niederen („politischen“, staatsbĂŒrgerlichen) Tugenden sind die traditionellen vier Grundtugenden.cite-ref-59[59] Sie haben das VerhĂ€ltnis der Seele zum Körper sowie zur Umwelt zu regeln. Zum einen bestimmen sie das soziale Handeln, zum anderen beruht auf ihnen auch das Gutsein des aus Körper und Seele zusammengesetzten Menschen, denn sie sorgen dafĂŒr, dass die Seele die ihr zukommende Leitungsfunktion ausĂŒben kann und die Affekte gezĂŒgelt werden. Daneben nahm Plotin vier analoge höhere Tugenden an, die er ebenso wie die niederen benannte (Weisheit, Besonnenheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit), die aber in seinem System andere, rein innerseelische Funktionen haben. Sie befreien die Seele von jeder störenden Beeinflussung durch Affekte, körperliche Faktoren und Ă€ußere UmstĂ€nde und verhelfen ihr damit zur SelbstgenĂŒgsamkeit. So verschaffen sie ihr eine unerschĂŒtterliche, von Ă€ußeren UmstĂ€nden unbeeinflussbare Eudaimonie. Sie ermöglichen ihr, sich von der materiellen Welt zu lösen und sich einem rein geistigen, göttlichen Bereich, der intelligiblen Welt, zuzuwenden. In der intelligiblen Welt, der wahren Heimat der Seelen, gibt es keine Tugenden, da das Göttliche sie wegen seiner Vollkommenheit nicht benötigt. Solange sich aber Seelen noch in der Körperwelt aufhalten und zum Göttlichen, von dem sie sich einst abgewendet haben, zurĂŒckstreben, bedĂŒrfen sie dabei der Tugenden.cite-ref-60[60]

SpĂ€tere Neuplatoniker (Porphyrios, Iamblichos) erweiterten das System, indem sie weitere Tugendklassen einfĂŒhrten und hierarchisch ordneten. Porphyrios unterschied in seiner Schrift „Sentenzen, die zum Intelligiblen fĂŒhren“ vier Tugendklassen: politische (soziale) Tugenden als niederste Klasse, ihnen ĂŒbergeordnet kathartische (reinigende), theoretische und paradigmatische (archetypische) Tugenden. Er stellte fest, die sozialen Tugenden seien eine notwendige Vorstufe fĂŒr die Erlangung der Tugenden der drei höheren, fĂŒr die Hinwendung der Seele zum Göttlichen benötigten Klassen.cite-ref-61[61] Iamblichos fĂŒgte drei Klassen hinzu, womit er zu sieben Klassen gelangte. Als unterste Klasse nahm er natĂŒrliche Tugenden an, ĂŒber die Tiere von Natur aus verfĂŒgen (beispielsweise die Tapferkeit des Löwen), als zweite Klasse „ethische“ Tugenden (Gewohnheitstugenden), die von Kindern und manchen Tieren durch Gewöhnung erworben werden können, ohne dass Einsicht vorhanden ist. Es folgen in seinem Schema die politischen (sozialen), kathartischen, theoretischen und paradigmatischen Tugenden. ZusĂ€tzlich fĂŒhrte Iamblichos die Klasse der theurgischen Tugenden ein. Hierokles von Alexandria und Damaskios betonten den hohen Wert der politischen Tugenden fĂŒr die StĂ€rkung der Seele.cite-ref-62[62]

Christentum

Im Neuen Testament kommt der Begriff Arete nur viermal vor; an zwei dieser Stellen ist von menschlicher Tugend die Rede. Es handelt sich um beilĂ€ufige ErwĂ€hnungen; nĂ€here Angaben ĂŒber das mit „Tugend“ Gemeinte fehlen. Der Apostel Paulus schreibt im Philipperbrief, man solle auf die Tugenden bedacht sein.cite-ref-63[63] Im zweiten Petrusbrief ruft der Verfasser, der sich als der Apostel Petrus ausgibt, dazu auf, im Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis zu erweisen.cite-ref-64[64]

Die antiken KirchenvĂ€ter griffen das philosophische Schema der vier Grundtugenden auf. Damit schufen sie die Grundlage fĂŒr dessen breite Rezeption im Mittelalter und fĂŒr die ĂŒberragende Bedeutung der Kardinaltugenden auch in neuzeitlichen Ethiklehren. Allerdings beruhten die mittelalterlichen Tugendvorstellungen auf der Vermischung von Lehren antiker griechischer und römischer Philosophen mit christlichem Gedankengut, dessen dominierende Rolle zu einer Umformung des Tugendbegriffs in wesentlichen Aspekten fĂŒhrte. Die antike Arete war nur eine unter den verschiedenen Wurzeln der mittelalterlichen und frĂŒhneuzeitlichen Tugendkonzepte.cite-ref-65[65] Eine ErgĂ€nzung der vier Kardinaltugenden bilden im Christentum die drei Theologischen Tugenden. Diese sind Glaube, Liebe und Hoffnung.cite-ref-66[66]

Literatur

Allgemeines

‱ Arthur W. H. Adkins: Merit and Responsibility. A Study in Greek Values. Clarendon Press, Oxford 1960.
‱ Peter Stemmer: Tugend. I. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, Schwabe, Basel 1998, Sp. 1532–1548.

Nichtphilosophische Begriffsverwendung

‱ Werner Jaeger: Tyrtaios ĂŒber die wahre ΑΥΕ΀Η. In: Werner Jaeger: Scripta minora, Band 2, Edizioni di storia e letteratura, Rom 1960, S. 75–114.
‱ Thomas Michna: áŒ€ÏÎ”Ï„Îź im mythologischen Epos. Eine bedeutungs- und gattungsgeschichtliche Untersuchung von Homer bis Nonnos. Peter Lang, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-631-46982-9.
‱ Harald Patzer: Der archaische AretĂ©-Kanon im Corpus Theognideum. In: Gebhard Kurz u. a. (Hrsg.): Gnomosyne. Menschliches Denken und Handeln in der frĂŒhgriechischen Literatur. Beck, MĂŒnchen 1981, ISBN 3-406-08137-1, S. 197–226.
‱ Eva-Maria Voigt: áŒ€ÏÎ”Ï„Îź. In: Lexikon des frĂŒhgriechischen Epos, Band 1, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1979, Sp. 1229–1232 (Zusammenstellung der Belege).

Philosophischer Diskurs

‱ Marcel van Ackeren: Das Wissen vom Guten. Bedeutung und KontinuitĂ€t des Tugendwissens in den Dialogen Platons. GrĂŒner, Amsterdam 2003, ISBN 90-6032-368-8.
‱ Dirk CĂŒrsgen: Tugend/Bestform/Exzellenz (aretĂȘ). In: Christian SchĂ€fer (Hrsg.): Platon-Lexikon. Begriffswörterbuch zu Platon und der platonischen Tradition. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-534-17434-8, S. 285–290.
‱ Hans Joachim KrĂ€mer: Arete bei Platon und Aristoteles. Zum Wesen und zur Geschichte der platonischen Ontologie. Carl Winter, Heidelberg 1959.
‱ Iakovos Vasiliou: Aiming at Virtue in Plato. Cambridge University Press, Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-86296-7.

Anmerkungen

cite-note-11. ↑ Eduardo Luigi De Stefani (Hrsg.): Etymologicum Gudianum quod vocatur, Leipzig 1920, S. 190.
cite-note-22. ↑ Karl KerĂ©nyi: Der Mythos der aretĂ©. In: Karl KerĂ©nyi: Antike Religion, MĂŒnchen 1971, S. 240–249, hier: 244; Werner Jaeger: Paideia, Berlin 1973, S. 26 Anm. 3.
cite-note-33. ↑ Pierre Chantraine: Dictionnaire Ă©tymologique de la langue grecque. Histoire des mots, Paris 2009, S. 103; Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch, Band 1, Heidelberg 1960, S. 136; Eduard Schwyzer: Griechische Grammatik, Band 1, 5. Auflage, MĂŒnchen 1977, S. 501.
cite-note-44. ↑ Belege bei Henry George Liddell, Robert Scott: A Greek-English Lexicon, 9. Auflage, Oxford 1996, S. 4, 237. Vgl. Pierre Chantraine: Dictionnaire Ă©tymologique de la langue grecque. Histoire des mots, Paris 2009, S. 6, 106 f.
cite-note-55. ↑ Arete des Pferdes bei Homer, Ilias 23, 276; 23, 374.
cite-note-66. ↑ Werner Jaeger: Paideia, Berlin 1973, S. 26–28, 41. Zum homerischen Arete-Ideal siehe auch Arthur W. H. Adkins: Merit and Responsibility, Oxford 1960, S. 34–40, 70 f.; Thomas Michna: áŒ€ÏÎ”Ï„Îź im mythologischen Epos, Frankfurt am Main 1994, S. 19–82.
cite-note-77. ↑ Homer, Ilias 9, 498. Siehe dazu Arthur W. H. Adkins: Merit and Responsibility, Oxford 1960, S. 63 f.
cite-note-88. ↑ Arthur W. H. Adkins: Merit and Responsibility, Oxford 1960, S. 36 f.
cite-note-99. ↑ Zur Problematik der Übersetzung des Begriffs siehe Peter Stemmer: Tugend. I. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, Basel 1998, Sp. 1532–1548, hier: 1532 f.
cite-note-1010. ↑ Hesiod, Werke und Tage 289 und 313. Vgl. Hermann FrĂ€nkel: Dichtung und Philosophie des frĂŒhen Griechentums, MĂŒnchen 1969, S. 136, 614; Arthur W. H. Adkins: Merit and Responsibility, Oxford 1960, S. 71–73; Thomas Michna: áŒ€ÏÎ”Ï„Îź im mythologischen Epos, Frankfurt am Main 1994, S. 91–107.
cite-note-1111. ↑ Zu Tyrtaios’ Vorstellung von Arete siehe Werner Jaeger: Paideia, Berlin 1973, S. 125–137; Werner Jaeger: Tyrtaios ĂŒber die wahre ΑΥΕ΀Η. In: Werner Jaeger: Scripta minora, Band 2, Rom 1960, S. 75–114, hier: 88–99; Karl KerĂ©nyi: Der Mythos der aretĂ©. In: Karl KerĂ©nyi: Antike Religion, MĂŒnchen 1971, S. 240–249, hier: 245.
cite-note-1212. ↑ Georgios Karageorgos: Die Arete als Erziehungsideal in den Dichtungen des Theognis, Frankfurt am Main 1979, S. 98 f.
cite-note-1313. ↑ Georgios Karageorgos: Die Arete als Erziehungsideal in den Dichtungen des Theognis, Frankfurt am Main 1979, S. 76–156; Lena Hatzichronoglou: Theognis and Arete. In: Arthur W. H. Adkins u. a. (Hrsg.): Human Virtue and Human Excellence, New York 1991, S. 17–44; Harald Patzer: Der archaische AretĂ©-Kanon im Corpus Theognideum. In: Gebhard Kurz u. a. (Hrsg.): Gnomosyne. Menschliches Denken und Handeln in der frĂŒhgriechischen Literatur, MĂŒnchen 1981, S. 197–226, hier: 213–215.
cite-note-1414. ↑ Pindar, Zweite olympische Ode 53; Neunte olympische Ode 101; Zehnte olympische Ode 20; Elfte olympische Ode 6; Dritte isthmische Ode 4; Siebte isthmische Ode 22. Vgl. Hermann FrĂ€nkel: Dichtung und Philosophie des frĂŒhen Griechentums, MĂŒnchen 1969, S. 557.
cite-note-1515. ↑ Simonides, F 260 Poltera (= 542 Poetae melici Graeci), hrsg. von Orlando Poltera: Simonides lyricus. Testimonia und Fragmente, Basel 2008, S. 203–209, 454–467 (kritische Ausgabe mit Übersetzung und Kommentar). Vgl. Hermann FrĂ€nkel: Dichtung und Philosophie des frĂŒhen Griechentums, MĂŒnchen 1969, S. 352 f., 614.
cite-note-1616. ↑ Lynette Mitchell: The Heroic Rulers of Archaic and Classical Greece, London 2013, S. 57–80.
cite-note-1717. ↑ Antiopi Argyriou-Casmeridis: Aretē in a Religious Context: Eusebeia and Other Virtues in Hellenistic Honorific Decrees. In: Elias Koulakiotis, Charlotte Dunn (Hrsg.): Political Religions in the Greco-Roman World, Newcastle upon Tyne 2019, S. 272–305, hier: 273–276, 296 f.
cite-note-1818. ↑ Zu Arete in der bildenden Kunst siehe Jean-Charles Balty: Arete I. In: Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC), Band 2/1, ZĂŒrich 1984, S. 581 f. (Text) und Band 2/2, ZĂŒrich 1984, S. 425 f. (Abbildungen) sowie Nachtrag im Supplementum 2009 des LIMC, DĂŒsseldorf 2009, Band 1, S. 85 (Text) und Band 2, S. 196 (Abbildung); Cecil Maurice Bowra: Aristotle’s Hymn to Virtue. In: The Classical Quarterly 32, 1938, S. 182–189, hier: 187 f.
cite-note-1919. ↑ Zu diesem Arete-Konzept siehe George B. Kerferd, Hellmut Flashar: Die Sophistik. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Sophistik, Sokrates, Sokratik, Mathematik, Medizin (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1), Basel 1998, S. 1–137, hier: 12 f.; Jörg Kube: ΀ΕΧΝΗ und ΑΥΕ΀Η. Sophistisches und platonisches Tugendwissen, Berlin 1969, S. 48–69.
cite-note-2020. ↑ Jörg Kube: ΀ΕΧΝΗ und ΑΥΕ΀Η. Sophistisches und platonisches Tugendwissen, Berlin 1969, S. 55–57.
cite-note-2121. ↑ Peter Stemmer: Tugend. I. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, Basel 1998, Sp. 1532–1548, hier: 1533; Friedemann Buddensiek: Eudaimonie. In: Christian SchĂ€fer (Hrsg.): Platon-Lexikon, Darmstadt 2007, S. 116–120.
cite-note-2222. ↑ Eine forschungsgeschichtliche Übersicht bietet Louis-AndrĂ© Dorion: The Rise and Fall of the Socratic Problem. In: Donald R. Morrison (Hrsg.): The Cambridge Companion to Socrates, Cambridge 2011, S. 1–23.
cite-note-2323. ↑ Platon, Apologie des Sokrates 36c.
cite-note-2424. ↑ Klaus Döring: Sokrates, die Sokratiker und die von ihnen begrĂŒndeten Traditionen. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Sophistik, Sokrates, Sokratik, Mathematik, Medizin (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1), Basel 1998, S. 139–364, hier: 157–159.
cite-note-2525. ↑ Terence Irwin: Plato’s Ethics, New York 1995, S. 55–60, 73–75.
cite-note-2626. ↑ Terence Irwin: Plato’s Ethics, New York 1995, S. 140 f.
cite-note-2727. ↑ Platon, Protagoras 319a–320c.
cite-note-2828. ↑ Siehe dazu Lynn Huestegge: Lust und Arete bei Platon, ZĂŒrich 2004, S. 21–25.
cite-note-2929. ↑ Platon, Menon 71b–c.
cite-note-3030. ↑ Klaus Döring: Sokrates, die Sokratiker und die von ihnen begrĂŒndeten Traditionen. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Sophistik, Sokrates, Sokratik, Mathematik, Medizin (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1), Basel 1998, S. 139–364, hier: 159 f., 164.
cite-note-3131. ↑ Patricia Ward Scaltsas: Virtue without Gender in Socrates. In: Konstantinos J. Boudouris (Hrsg.): The Philosophy of Socrates, Athen 1991, S. 408–415.
cite-note-3232. ↑ Dirk CĂŒrsgen: Tugend/Bestform/Exzellenz (aretĂȘ). In: Christian SchĂ€fer (Hrsg.): Platon-Lexikon, Darmstadt 2007, S. 285–290, hier: 286; Terence Irwin: Plato’s Ethics, New York 1995, S. 229–237.
cite-note-3333. ↑ Dirk CĂŒrsgen: Tugend/Bestform/Exzellenz (aretĂȘ). In: Christian SchĂ€fer (Hrsg.): Platon-Lexikon, Darmstadt 2007, S. 285–290, hier: 286.
cite-note-3434. ↑ Platon, Politeia 591c–592a; vgl. Euthydemos 281d–e. Zu einer Aufweichung der Position des platonischen Sokrates, allein die Tugend sei fĂŒr die Eudaimonie relevant, siehe Gregory Vlastos: Socrates, Ironist and Moral Philosopher, Cambridge 1991, S. 200–232; vgl. dazu die Kritik von Marcel van Ackeren: Das Wissen vom Guten, Amsterdam 2003, S. 48–52. Siehe auch Terence Irwin: Plato’s Ethics, New York 1995, S. 118–120, 345–347.
cite-note-3535. ↑ Michael Erler: Platon (= Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/2), Basel 2007, S. 434 f.
cite-note-3636. ↑ Zur Rolle der Gerechtigkeit siehe Hans Joachim KrĂ€mer: Arete bei Platon und Aristoteles, Heidelberg 1959, S. 85–96, 117 f.
cite-note-3737. ↑ Christoph Horn u. a. (Hrsg.): Platon-Handbuch, Stuttgart 2009, S. 145–147, 196.
cite-note-3838. ↑ Platon, Politikos 309a–310a.
cite-note-3939. ↑ Michael Erler: Platon (= Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/2), Basel 2007, S. 438 f.; Charles H. Kahn: Plato on the Unity of the Virtues. In: William Henry Werkmeister (Hrsg.): Facets of Plato’s Philosophy, Assen 1976, S. 21–39; Terry Penner: The Unity of Virtue. In: Hugh H. Benson (Hrsg.): Essays on the Philosophy of Socrates, New York 1992, S. 162–184 (plĂ€diert fĂŒr starke IdentitĂ€t); Bruno Centrone: Platonic Virtue as a Holon: from the Laws to the Protagoras. In: Maurizio Migliori u. a. (Hrsg.): Plato Ethicus. Philosophy is Life, Sankt Augustin 2004, S. 93–106; Michael T. Ferejohn: Socratic Thought-Experiments and the Unity of Virtue Paradox. In: Phronesis 29, 1984, S. 105–122.
cite-note-4040. ↑ Iakovos Vasiliou: Aiming at Virtue in Plato, Cambridge 2008, S. 268–272, 283.
cite-note-4141. ↑ Platon, Symposion 211d–212a.
cite-note-4242. ↑ Platon, Theaitetos 176a–c.
cite-note-4343. ↑ Siehe zum Zusammenhang von Ideen und Tugend Marcel van Ackeren: Das Wissen vom Guten, Amsterdam 2003, S. 159–165, 179–183, 193 f., 205 f.
cite-note-4444. ↑ Diogenes Laertios 6,10–12.
cite-note-4545. ↑ Zum Arete-Konzept des Antisthenes siehe Klaus Döring: Antisthenes, Diogenes und die Kyniker der Zeit vor Christi Geburt. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Sophistik, Sokrates, Sokratik, Mathematik, Medizin (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1), Basel 1998, S. 267–364, hier: 275–278.
cite-note-4646. ↑ Peter Stemmer: Tugend. I. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, Basel 1998, Sp. 1532–1548, hier: 1538; Philipp BrĂŒllmann: GlĂŒck. In: Christof Rapp, Klaus Corcilius (Hrsg.): Aristoteles-Handbuch, Stuttgart 2011, S. 232–238, hier: 233 f.
cite-note-4747. ↑ Siehe zu dieser Tugendlehre Peter Stemmer: Tugend. I. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, Basel 1998, Sp. 1532–1548, hier: 1538. Zur Frage, ob es angeborene Anlagen oder erworbene Haltungen sind, siehe Aristoteles, Nikomachische Ethik 1105b–1106a.
cite-note-4848. ↑ Aristoteles, Nikomachische Ethik 1106a–1109b. Zur Rolle der Klugheit siehe Arthur W. H. Adkins: Merit and Responsibility, Oxford 1960, S. 332–335.
cite-note-4949. ↑ Aristoteles, Nikomachische Ethik 1177a–b; vgl. 1097b–1098a. Siehe dazu Arthur W. H. Adkins: Merit and Responsibility, Oxford 1960, S. 344 f.
cite-note-5050. ↑ Aristoteles, Nikomachische Ethik 1178a–b. Vgl. Arthur W. H. Adkins: Merit and Responsibility, Oxford 1960, S. 345–348.
cite-note-5151. ↑ Peter Stemmer: Tugend. I. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, Basel 1998, Sp. 1532–1548, hier: 1540, 1543; Philipp BrĂŒllmann: GlĂŒck. In: Christof Rapp, Klaus Corcilius (Hrsg.): Aristoteles-Handbuch, Stuttgart 2011, S. 232–238, hier: 234.
cite-note-5252. ↑ Aristoteles, Politik 1260a.
cite-note-5353. ↑ Werner Jaeger: Aristoteles, 3. Auflage, Dublin und ZĂŒrich 1967, S. 117–120 (S. 118 Text des Hymnus); Karl KerĂ©nyi: Der Mythos der aretĂ©. In: Karl KerĂ©nyi: Antike Religion, MĂŒnchen 1971, S. 240–249, hier: 246–249 (S. 246 f. Übersetzung des Hymnus); Cecil Maurice Bowra: Aristotle’s Hymn to Virtue. In: The Classical Quarterly 32, 1938, S. 182–189.
cite-note-5454. ↑ Katharina Held: Hēdonē und Ataraxia bei Epikur, Paderborn 2007, S. 40 f.; Michael Erler: Epikur. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Die hellenistische Philosophie (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 4/1), Basel 1994, S. 29–202, hier: 159.
cite-note-5555. ↑ Peter Stemmer: Tugend. I. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, Basel 1998, Sp. 1532–1548, hier: 1541.
cite-note-5656. ↑ Peter Steinmetz: Die Stoa. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Die hellenistische Philosophie (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 4/2), Basel 1994, S. 491–716, hier: 526 f., 542 f., 616 f.
cite-note-5757. ↑ Allerdings nicht alle; zwei Ausnahmen (Plutarch, Lukios Kalbenos Tauros) nennt Euree Song: Aufstieg und Abstieg der Seele, Göttingen 2009, S. 82.
cite-note-5858. ↑ Peter Stemmer: Tugend. I. Antike. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 10, Basel 1998, Sp. 1532–1548, hier: 1542–1544.
cite-note-5959. ↑ Plotin, Enneaden I 2,1,15–27.
cite-note-6060. ↑ Plotin, Enneaden I 2,3,31 f. Siehe zu Plotins Tugendlehre Euree Song: Aufstieg und Abstieg der Seele, Göttingen 2009, S. 24–28, 44–52, 77–90.
cite-note-6161. ↑ Dominic J. O’Meara: Platonopolis, Oxford 2003, S. 44–46.
cite-note-6262. ↑ Dominic J. O’Meara: Platonopolis, Oxford 2003, S. 46–49.
cite-note-6363. ↑ Philipper 4,8 .
cite-note-6464. ↑ 2 Petrus 1,5 .
cite-note-6565. ↑ Siehe zur Rezeption bei den KirchenvĂ€tern und zu den mittelalterlichen Entwicklungen IstvĂĄn P. Bejczy: The Cardinal Virtues in the Middle Ages, Leiden/Boston 2011, S. 11 f., 28–47, 65–67, 132 f., 218–221, 285–289.
cite-note-6666. ↑ Vgl. Tugend in: Walter Brugger, Philosophisches Wörterbuch, 21. Auflage, Freiburg 1992, S. 415 f.